Schreibend die Natur entdecken

Schreibend die Natur entdecken

Kinderstiftung Essen fördert Ferien-Workshop in der Gruga.

Kinder und Jugendliche haben häufig einen sehr intuitiven Zugang zur Natur. Der spannende Ferien-Workshop „Nature Writing in der Gruga“ motiviert 12- bis 18-Jährige, sich schreibend mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und dabei mehr über sich selbst zu erfahren. Er findet vom 12. bis 14. Juli unter Anleitung der Essener Autorin Mischa Bach und der Künstlerin Eva Pfitzner statt. Die Kinderstiftung Essen, die Stadt Essen und der Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur unterstützen den Workshop als Kooperationspartner nachhaltig.

Die Autorin Mischa Bach

Draußen in der Natur möchte die Autorin Mischa Bach Jugendliche zum Schreiben animieren. (Foto: Eduard Ollinger)

Wie drücke ich aus, was ich empfinde, wenn ich die Natur erlebe und mich in ihr? Mischa Bach und Eva Pfitzner wollen Jugendliche zum Hinschauen, Hinhören und Hinfühlen ermutigen. „Ob es um Tiere als unsere Vertrauten geht, ein Baum zum Freund wird oder ein Wäldchen zum Rückzugsort, ob es darum geht, die Natur zu schützen oder in ihr Schutz zu suchen – das alles lässt sich in Form von Fabeln und Gedichten, Geschichten, Märchen oder eben Beschreibungen à la Nature Writing ausdrücken“, erklärt Mischa Bach. Die selbstständige Autorin, Journalistin, Dramaturgin und Übersetzerin entwickelte das Konzept des Kreativ-Workshops, der im Rahmen des Essener Ferienspatz-Programms stattfindet. Sie verfügt über umfangreiche Erfahrung im Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit und ohne Förderbedarf.

Bei zwei Lesungen im Juni an der Bertha-Krupp-Realschule und an der Gesamtschule Bockmühle machte Mischa Bach bereits neugierig auf den Ferien-Workshop. „Die Resonanz war sehr positiv“, freut sich die Essener Autorin. „Einige Jugendliche haben sogar schon eigene Schreiberfahrung. Sie dürfen ihre Texte gerne zum Workshop mitbringen.“

Noch sind einige Plätze frei! Die Anmeldung erfolgt über den Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur (Tel. 0201/79984506 oder E-Mail an info@kinderliteratur-verein.de). Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos, da es sich um eine Autorenpatenschaft im Rahmen der „Bündnisse für Bildung“ handelt. Das Bündnis setzt sich in diesem Fall zusammen aus dem Landes- und dem Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise, der Kinderstiftung Essen, dem Jugendamt der Stadt Essen und dem Kinder- und Jugendliteraturverein Essen.

 

Kellnern bei den Krupps

Kellnern bei den Krupps

Kinderstiftung Essen setzt Theaterprojekt fort.

Auf spannende Weise und im eigenen Tun Geschichte erleben – das ermöglicht ein Theaterprojekt der Kinderstiftung Essen in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt Essen und der Schauspielerin und Theaterpädagogin Veronika Maruhn. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr an der Glückauf-Schule geht es nun mit Schülerinnen und Schülern der Parkschule in Altenessen in die zweite Runde.

Schülerinnen und Schüler der Parkschule spielen eine Szene mit den Theaterprofis Veronika Maruhn und Michael Ophelders

Wie ist es, als Zimmermädchen oder Diener bei Familie Krupp zu arbeiten? Das konnten Schülerinnen und Schüler der Parkschule in Altenessen bei einem Theaterprojekt unter Anleitung von Veronika Maruhn und Michael Ophelders ausprobieren.

Ausgangspunkt ist das Stadtbuch „Essen für dich“ von Katrin Martens, das auf eine Idee der Kinderstiftung Essen zurückgeht. Um die darin erzählten Geschichten zum Leben zu erwecken, entwickelte Veronika Maruhn im Auftrag der Stiftung eine Rahmenhandlung. Diese führt zu verschiedenen historischen Orten der Stadt Essen. In den Spielsequenzen schlüpfen auch die Schauspielerin selbst und ihr Kollege Michael Ophelders in verschiedene Rollen – zum Beispiel als Hausdame bzw. Diener der Familie Krupp.

An diesem Vormittag proben die Bühnenprofis zunächst mit Schülerinnen und Schülern der Klassen fünf und sechs in der Parkschule, anschließend geht es mit dem Bus von Altenessen nach Bredeney in die Siedlung Brandenbusch: Hier lebten einst viele Bedienstete der benachbarten Villa Krupp. „648 Menschen arbeiteten zeitweise in der Villa Krupp“, berichtet Veronika Maruhn. „Es gab ja auch 269 Räume und einen riesigen Park, der gepflegt werden musste.“ Die Jugendlichen staunen. In der folgenden Spielszene dürfen sie sich selbst als Bedienstete bewerben und ihre Eignung unter Beweis stellen. Für den Einstellungstest gilt es, ein Tablett mit Wassergläsern unfallfrei auf einer Hand zu transportieren. Dann lernen sie, einen eleganten Knicks und einen formvollendeten Diener zu vollführen. Andere Zeiten, andere Sitten: Die tiefe Verbeugung ist für den einen oder anderen sichtlich ungewohnt.

Interessiert hören die Schülerinnen und Schüler zu, wie Veronika Maruhn und Michael Ophelders die Geschichte der Villa Hügel aus der Sicht der kleinen Leute erzählen. Dabei erfahren sie unter anderem, was eine „Kemenate“ ist und dass fließendes Wasser zu Zeiten der Krupps purer Luxus war. Zudem üben sie sich im sprachlichen und körperlichen Ausdruck. „Es ist schön zu sehen, welche sprachlichen Fortschritte die Jugendlichen im Laufe des Projekts machen“, freut sich die Theaterpädagogin. Da die Gruppe klein ist, fällt es den Mädchen und Jungen leichter, Hemmungen zu überwinden und vor Publikum zu sprechen.

Die Villa Hügel kannten viele von ihnen bis dato nur von den braunen Hinweisschildern, doch die theaterpädagogische Zeitreise hat ihre Neugier geweckt: Auf der Wunschliste für den nächsten Klassenausflug steht das ehemalige Zuhause der Familie Krupp jetzt bei den Schülerinnen und Schülern der Parkschule ganz oben.