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Bahn frei für sichere Kinderwege in Essen!

Die Essener Polizei gab die von der Kinderstiftung Essen und der Stadt Essen geschaffene neue, sichere Wegeverbindung für die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Bockmühle frei.

Bildnachweis: Stadt Essen

Kinderstiftung Essen und Stadt Essen eröffnen Pilotprojekt.

Nach den Sommerferien haben viele neun- und zehnjährige Kinder in Essen zu einer weiterführenden Schule gewechselt. Spätestens jetzt sollten sie ihre Wege dorthin und zurück alleine bewältigen. Doch mancherorts scheitert der gute Wille an Wegen, die nicht kindgerecht gestaltet, und Straßen, die nicht gefahrlos zu überqueren sind. Als Mahner für eine kinderfreundliche Großstadt hat die Kinderstiftung Essen das Problem erkannt. Im Projekt „Sichere Kinderwege“ entwickelt sie gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie städtischen Akteuren Lösungsmöglichkeiten. Das Pilotprojekt wurde vor wenigen Tagen an der Gesamtschule Bockmühle eingeweiht.

17.000 Autos pro Tag: Die Altendorfer Straße ist nicht nur laut, sondern auch gefährlich. Äußerst unglücklich, dass der Weg vom Schulgelände in Richtung Straßenbahn und Radtrasse „Rheinische Bahn“ nicht an einer Ampelkreuzung, sondern direkt an der Bundesstraße endete. So entstand die Idee zu einem Pilotprojekt an der Gesamtschule Bockmühle im Programm „Kinderwege“ der Kinderstiftung Essen. Die Architektin und Stadtplanerin Christiane Voigt initiierte es Ende 2010 als Kuratoriumsmitglied der Kinderstiftung Essen gemeinsam mit dem Jugendamt und Grün und Gruga. Die damalige Verkehrssituation an der Altendorfer Straße schildert Dr. Herbert Lütkestratkötter, Kuratoriumsvorsitzender der Kinderstiftung Essen, aus der Perspektive des Autofahrers: „Ich konnte es nicht fassen. Da liefen Schülerinnen und Schüler einfach quer über diese stark befahrene vierspurige Bundesstraße.“

Heute leitet ein frisch gepflasterter Weg Fußgänger und Radfahrer vom Schulgelände zu einer neuen Drückampel. So gelangen nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch die zahlreichen Anwohner und Passanten gefahrlos auf die andere Seite der Altendorfer Straße. Und das ist noch nicht alles: Rote Pflastersteine mit einem weiß aufgemalten Fahrradsymbol weisen vom anderen „Ufer“ aus den Weg zu der nur wenige hundert Meter entfernten Radtrasse Rheinische Bahn. Von dort aus lässt es sich kilometerweit autofrei und naturnah radeln.

Auch wenn die Baumaßnahme noch nicht ganz abgeschlossen ist – es fehlen noch Hinweisschilder für Radfahrer und leuchtende Stelen als Wegmarkierungen –, freuten sich der Kuratoriumsvorsitzende Dr. Herbert Lütkestratkötter und Christiane Voigt vom Vorstand der Kinderstiftung Essen, gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Kufen, Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Bockmühle und Lehrerin Gerlinde Bosse sowie Prof. Dr. Gerd Hamme vom Vorstand der Verkehrswacht die neue Verbindung offiziell einzuweihen.

Vom Erkennen des Problems und den ersten Gesprächen mit Schulleitung und Stadt bis zur Verbesserung der Situation war es für alle Beteiligten ein weiter Weg. Es galt Überzeugungsarbeit zu leisten, bürokratische Hürden zu überwinden, finanzielle Lücken zu schließen und die Folgen von Wetterkapriolen wie Pfingststurm Ela zu verkraften. Gemeinsam mit dem Amt für Straßen und Verkehr, dem Jugendamt und Grün und Gruga der Stadt Essen erarbeitete die Kinderstiftung Essen die Pläne für neue Geh- und Radwege sowie eine Ampelanlage an der Altendorfer Straße. 85 Prozent des 150.000 Euro teuren Bauvorhabens wurden aus Mitteln des Landes NRW bestritten, die übrigen 15 Prozent teilten sich die Stadt Essen und die Kinderstiftung Essen, die für ihren Anteil auch Mittel der „Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017“ und von Sponsoren einwarb. Noch in diesem Winter soll die neue Wegeverbindung mit solarstrombetriebenen Leuchtstelen markiert werden; die dafür notwendigen Mittel kommen vom Bankhaus Merck Finck & Co. und von innogy.

Ein Modell für die ganze Stadt

„Die Kinderstiftung Essen ist ein verlässlicher und wichtiger Partner für die Stadt Essen“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kufen während des Pressetermins an der Gesamtschule Bockmühle. „Ich freue mich, dass wir mit dem Modellprojekt Sichere Kinderwege/kindgerechte Nahmobilität gemeinsam so etwas Gutes hinbekommen haben.“ Er rief die anwesenden Schülerinnen und Schüler auf, Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren – selbst wenn manchmal erst nachfolgende Generationen davon profitierten. Kufen bedankte sich insbesondere bei der Architektin und Stadtplanerin Christiane Voigt, die das Projekt mit großem Engagement ehrenamtlich leitet, den beteiligten städtischen Akteuren sowie bei „allen, die uns dazu motiviert haben, mehr zu tun.“

 Mit der Maßnahme in Altendorf will die Kinderstiftung Essen ein Exempel statuieren: Alle Essener Schulen, die in einem Umkreis von 500 Metern Entfernung zu einer als Radweg genutzten ehemaligen Bahntrasse liegen, sollen nach und nach eine gefahrlose Anbindung erhalten. Damit die neuen Wege die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler bestmöglich erfüllen und von ihnen angenommen werden, spielt die Partizipation der Jugendlichen eine große Rolle. An der Bockmühle analysierten Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgangs ihre Schulwege, fotografierten das Schulumfeld und zeichneten Pläne. „Ein großartiges Projekt“, resümiert Gerlinde Bosse, Abteilungsleiterin I der Gesamtschule. Sie integrierte das Thema nicht nur fachübergreifend in den Unterricht, sondern veranstaltete mit dem Schulteam, dem Jugendamt und der Jugendhilfe Essen sogar Ausstellungen und Projekttage zur kinderfreundlichen Nahmobilität.

Zwar haben jene Jugendlichen, die 2013/2014 an der Planung mitarbeiteten, die Bockmühle längst verlassen, doch einen Ehemaligen brachte Gerlinde Bosse neben ihrer Klasse 6e mit zur Eröffnung: den 18-jährigen Alessandro Gräßl. Wie der angehende Abiturient selbst, so ist auch das Projekt „Sichere Kinderwege“ den Kinderschuhen entwachsen. Damit es jetzt in ganz Essen Schule machen kann, bedarf es der nachhaltigen Unterstützung von Stadt und Land sowie weiterer Partner und Förderer. Ein positives Signal setzte Dr. Herbert Lütkestratkötter zum Schluss: „In zwei Jahren sehen wir uns wieder – zur Einweihung der sicheren Wegeverbindung an der Gustav-Heinemann-Schule.“ Dort wird die Anbindung an die benachbarte Trasse bereits beim Schulneubau und der Planung des Umfeldes so berücksichtigt, dass das gesamte Quartier davon profitieren kann.

Zum Projekt „Sichere Kinderwege“

Damit Kinder und Jugendliche ihre Wege von und zur Schule selbstständig mit dem Fahrrad oder zu Fuß bewältigen können, müssen diese attraktiv, nutzungsgerecht und sicher sein. Das Leitprojekt „Sichere Kinderwege“ der Kinderstiftung Essen schafft bessere Bedingungen für die eigenständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen in Essen. Dazu sollen Verbindungen zwischen fahrradfreundlich ausgebauten ehemaligen Bahntrassen und Schulen ausgeschildert und eine gefahrlose Anbindung hergestellt werden.

Zur Kinderstiftung Essen

Die Kinderstiftung Essen und ihre Gründer engagieren sich seit 1984 für die Interessen und Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien. Ihr Ziel ist es, eine kindgerechte Großstadt zu schaffen und Kindern nachhaltige Zukunftsperspektiven zu geben. Die Kinderstiftung pflegt dazu eine enge strategische Kooperation mit dem Oberbürgermeister und dem Jugendamt der Stadt Essen.

 

 

 

01.10.2018