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So machen wir den Schulweg sicher!

Bald wird es von der Rheinischen Bahn eine sichere Wegeverbindung zur Gesamtschule Bockmühle geben.

Bald wird es von der Rheinischen Bahn eine sichere Wegeverbindung zur Gesamtschule Bockmühle geben.

Kinderstiftung Essen präsentiert Pilotprojekt „Sichere Kinderwege“.

Die Forderung ist nicht neu: Schluss mit dem Elterntaxi! Kinder, steigt aufs Rad oder geht zu Fuß zur Schule! Doch was, wenn eine vierspurige Straße den Fuß- und Radweg vom Schulgelände abschneidet? Wenn der gute Wille an einem sicheren Übergang scheitert? Die Kinderstiftung Essen hat das Problem vieler Schulen in Essen erkannt und will gemeinsam mit der Stadt Essen Abhilfe schaffen. Ihr Pilotprojekt „Sichere Kinderwege“ präsentierte sie einer Delegation von Kommunalvertretern aus Polen an der Gesamtschule Bockmühle, die im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche zu einem dreitägigen Workshop nach Essen gekommen war.

Eingeladen hatte die adelphi research gemeinnützige GmbH in Abstimmung mit dem Projektbüro von „Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017“. Der Workshop mit dem übergeordneten Thema „Nachhaltige Mobilität“ ist Teil des vom Bundesumweltministerium geförderten Projekts „Deutsch-polnische Kooperation im Klimaschutz und zur Luftreinhaltung in Städten“.

Die brisante Verkehrssituation rund um die an der Altendorfer Straße gelegene Schule erlebten die polnischen Gäste hautnah: Sie kamen per Rad über die nur wenige hundert Meter entfernte, gut ausgebaute ehemalige Bahntrasse zum Treffpunkt mit der Essener Architektin und Stadtplanerin Christiane Voigt, die das Projekt der Kinderstiftung Essen ehrenamtlich leitet. Die Überquerung der Landstraße ist selbst für Erwachsene eine Herausforderung – es sei denn, sie sind bereit, einen großen Umweg in Kauf zu nehmen. Kinder sind dazu kurz vor oder nach Schulbeginn erfahrungsgemäß nicht bereit. „Wir brauchen an dieser Stelle einen direkten und gefahrlosen Überweg für die Kinder“, fordert die Stadtplanerin. Mit dem Vorhaben in Altendorf will die Kinderstiftung Essen ein Exempel statuieren: Alle Essener Schulen, die in einem Umkreis von 500 Metern Entfernung zu einer als Radweg genutzten ehemaligen Bahntrasse liegen, sollen nach und nach eine gefahrlose Anbindung erhalten.

 Gemeinsam mit dem städtischen Planungsamt und Jugendamt hat die Kinderstiftung Essen die Planung für einen Gehweg und eine Ampelanlage an der Altendorfer Straße erstellt, sie von einem Büro für Stadt- und Verkehrsplanung prüfen lassen und mittlerweile sogar die Finanzierung sichergestellt: 75 Prozent des 150.000 Euro teuren Bauvorhabens werden aus öffentlichen Mitteln für Nahmobilität des Landes NRW bestritten, die übrigen 25 Prozent wollen sich die Stadt Essen und die Kinderstiftung Essen teilen. Hinzu kommt eine Förderung von „Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017“, die für die Beschilderung der Wege von der Schule zur Trasse und umgekehrt eingesetzt werden soll. Für die Markierung des Zugangs zur Trasse sind Leuchtstelen vorgesehen. Damit diese produziert und aufgestellt werden können, laufen zurzeit Gespräche mit Sponsoren.

 „Wir leben in einer Zeit, in der schwächere Verkehrsteilnehmer wichtiger werden – und dazu gehören auch Kinder“, sagt Christiane Voigt und die Gäste aus Polen nicken. Von der Stadtplanerin lassen sie sich erklären, wie die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule in die Planung einbezogen werden. Unter Anleitung der Lehrerin Gerlinde Bosse haben Neuntklässler ihren Schulweg, beliebte Freizeitorte und das direkte Schulumfeld fotografiert und Pläne dazu gezeichnet. „Aber die Mühlen mahlen leider langsam, so dass diese Schülerinnen und Schüler die Bockmühle bereits verlassen haben“, bedauert Christiane Voigt. Doch Gerlinde Bosse steht schon mit einer neuen Gruppe von Mädchen und Jungen in den Startlöchern. Auch sie möchten daran mitwirken, dass ihr Schulweg künftig sicherer wird. Alle Beteiligten hoffen, dass der Spatenstich noch in diesem Jahr erfolgen kann. „Die Anwohner warten ebenfalls schon darauf, denn von dem Projekt der Kinderstiftung wird das ganze Quartier profitieren“, sagt die Stadtplanerin. „Das ist es, was wir unter Vernetzung verstehen.“

Zum Projekt „Sichere Kinderwege“

Damit Kinder und Jugendliche ihre Wege von und zur Schule selbstständig mit dem Fahrrad oder zu Fuß bewältigen können, müssen diese attraktiv, nutzungsgerecht und sicher sein. Das Leitprojekt „Kinderwege“ schafft bessere Bedingungen für die eigenständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen in Essen. Dazu sollen Verbindungen zwischen fahrradfreundlich ausgebauten ehemaligen Bahntrassen und Schulen ausgeschildert und eine gefahrlose Anbindung hergestellt werden. Das Pilotprojekt an der Gesamtschule Bockmühle ist ein Förderprojekt von „Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017“.

Zur Kinderstiftung Essen

Die Kinderstiftung Essen und deren Gründer engagieren sich seit 1984 für die Interessen und Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien. Ihr Ziel ist es, eine kindgerechte Großstadt zu schaffen und Kindern nachhaltige Zukunftsperspektiven zu geben. Die Kinderstiftung pflegt dazu eine enge Kooperation mit dem Kinder- und Familienbüro der Stadt Essen.

Pressekontakt:
silbenfisch Text & Konzept, Martina Biederbeck
E-Mail: biederbeck@silbenfisch.de
Telefon: 0234/62 33 14 03

22.09.2017